Projektleitung: Andrea Amort
Mitarbeit: Sonja Browne
Publikation (seit Herbst 2023, Fertigstellung 2025)
Wien war vor 1938 nicht nur eine zentrale Stadt der Ideen. Die pulsierende Hauptstadt zog auch im nahe gelegenen Alten Schloss in der grünen Gemeinde Laxenburg Künstler:innen, Pädagog:innen und Studierende aus aller Welt an. Grund dafür war das idealistische Leitungsteam Christine Baer-Frissell und Karl M. Baer, Emmy Ferand und Ernst Ferand sowie Valeria Kratina und Rosalia Chladek, das 1925 aus der Gartenstadt Hellerau bei Dresden nach Österreich übersiedelt war. Die interdisziplinäre Bildungsstätte hieß fortan Schule Hellerau-Laxenburg.
Stark vertreten waren Frauen aus dem heutigen Polen, Tschechien, Ungarn, auch Finnland. Auch aus dem sogenannten Westen Europas über die USA bis ins heutige Indonesien kamen Interessierte, die sich der dreijährigen Ausbildung zur Pädagogin, Tänzerin und Choreografin nach der Methode Hellerau-Laxenburg widmeten und diese wiederum in ihren Berufsfeldern in die Welt hinaustrugen.
Geprägt vom Schweizer Rhythmus-Meister Émile Jaques-Dalcroze, der die Harmonie des zeitgenössischen Menschen aus dessen Bewusstheit um den musikalisch-körperlichen Rhythmus vor dem Ersten Weltkrieg populär gemacht hatte, setzten die Laxenburger auf die Erneuerung seiner Ideen. Der tanzende Mensch rückte ins Zentrum, der seinen eigenkreativen, von der Musik unabhängigen Körperrhythmus selbstbewusst künstlerisch vertrat. Der solcherart neu aufgebaute Studiengang für modernen Tanz war in eine humanistische Ausbildung mit prominenten Gastlehrenden eingebettet. Errungenschaften aus diesen kurzen vierzehn Jahren werden anhaltend am Institut für Tanz an der MUK-Uni Wien und von der IGRC (Internationale Gesellschaft Rosalia Chladek) fortgeführt.
Die Schule Hellerau-Laxenburg erhielt bis zur erzwungenen Schließung durch die NS-Diktatur 1939 keine Subventionen und geriet als privat geführtes Unternehmen in finanzielle Probleme. Der Kulturpolitik des Austrofaschismus konnte sich die Leitung nicht entziehen. Zahlreiche jüdische Studierende und Lehrende wurden Opfer des Nationalsozialismus.
Diese Publikation ist das Ergebnis einer jahrelangen Aufarbeitung des Nachlasses von Rosalia Chladek am Studiengang Tanz in den Jahren 2015/16 bis 2022/23 unter der Leitung von Univ.Prof. Dr. Andrea Amort. Mit ihrem Abschied von der MUK wurde das Chladek-Tanzarchiv an das Theatermuseum Wien überstellt, die Forschungstätigkeit wurde dort fortgesetzt.