JETZT! ist ein gemeinsames Professionalisierungsprogramm der MUK – Fakultät für darstellende Kunst und der Burgtheater GmbH.
Es richtet sich an Menschen mit unterschiedlichen körperlichen, kognitiven und ästhetischen Voraussetzungen – darunter Teilnehmende mit Behinderungen, Studierende der darstellenden Künste sowie Lehrende. Im Zentrum steht ein forschungsorientiertes, praxisbasiertes Lernen, das Inklusion, künstlerische Bildung und ästhetische Handlungspraxis nicht lediglich vermittelt, sondern im gemeinsamen Tun überprüft, erweitert und methodisch weiterentwickelt.
Der Ansatz basiert auf der Überzeugung, dass künstlerische Forschung besonders dann produktiv wird, wenn Differenz und Vielstimmigkeit nicht nivelliert, sondern als Motor für Erkenntnis genutzt werden. Jede Probe, jede Unterrichtssituation und jede gemeinsame Reflexion erzeugt Reibung, Resonanz und Bewegung.
Momente von Überforderung oder Unterforderung werden als Teil des Forschungsprozesses verstanden; sie eröffnen Räume, in denen Wahrnehmung, Kommunikation und künstlerische Praxis neu verhandelt werden. In diesem kollaborativen Arbeitsfeld entsteht ein vielschichtiger Erfahrungsraum, in dem gängige Vorstellungen von Körper, Stimme, Präsenz, Professionalität und künstlerischer Autor*innenschaft kontinuierlich befragt und transformiert werden.
Forschung zeigt sich hier nicht als distanzierte Analyse, sondern als lebendige, situative Praxis, die sich im Wechselspiel von Erprobung, Irritation, Reflexion und Neubestimmung entfaltet. Die in der Arbeit gewonnenen Fragestellungen und ästhetischen Impulse entwickeln sich nicht vorab, sondern ergeben sich aus der Dynamik der Gruppe, aus Zufall, Widerstand und Resonanz.
Auf der Bühne wird daher weniger ein abgeschlossenes Produkt präsentiert, sondern ein Verdichtungsmoment kollektiver Forschung, das für Publikum und Beteiligte unmittelbar erfahrbar wird. Die jährlich entstehende Produktion im Kasino am Schwarzenbergplatz bildet den öffentlichen Resonanzraum dieses Prozesses.
Sie macht sichtbar, wie aus der spezifischen Versammlung von Körpern, Stimmen und Perspektiven neue ästhetische Formen und Fragestellungen hervorgehen – und welche künstlerischen Potenziale im Arbeiten mit Differenz liegen.
JETZT! versteht sich als prozesshafte und dokumentierte Untersuchung der Bedingungen inklusiver Bühnenpraxis. Es fragt danach, wie Inklusion selbst zur Methode künstlerischer Forschung werden kann und inwiefern durch die Begegnung von Verschiedenheit neue ästhetische und gesellschaftliche Erkenntnisse entstehen.
Damit leistet das Programm einen Beitrag zur Weiterentwicklung der darstellende Kunst im Kontext von Diversität, Bildung und Teilhabe. JETZT! begreift Differenz nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt künstlerischer Erkenntnis – und als Impuls für die Transformation ästhetischer und institutioneller Praxis.
Einfache Sprache:
JETZT! – Inklusive Bühnenpraxis als künstlerische Forschung
Bei JETZT! steht im Mittelpunkt: Wir machen Kunst zusammen. Und wir forschen dabei.
Das bedeutet: Wir probieren aus, wir schauen genau hin und wir denken danach gemeinsam darüber nach. Wir möchten verstehen, wie gemeinsames Arbeiten auf der Bühne gut funktionieren kann – wenn Menschen verschieden sind.
In den Proben treffen viele unterschiedliche Meinungen, Ideen und Körper aufeinander. Manchmal ist etwas leicht, manchmal schwer. Das ist normal – und wichtig. Aus diesen Unterschieden lernen wir.
Wir fragen uns: Wie können wir miteinander sprechen? Wie bewegen wir uns zusammen? Wie entsteht Kunst, wenn alle unterschiedlich sind?
In JETZT! gibt es kein Richtig oder Falsch. Alles, was passiert, ist ein Teil der Forschung. Gemeinsam suchen wir nach neuen Wegen, Theater zu machen. Dabei verändern sich Ideen und Künstler*innen miteinander.
Am Ende jedes Jahres zeigen wir unsere Arbeit auf einer Bühne – im Kasino am Schwarzenbergplatz. Dort können Zuschauer*innen erleben, was wir gelernt und entwickelt haben. Es geht nicht nur um eine fertige Vorstellung. Es geht darum zu zeigen, wie wir gemeinsam geforscht und gearbeitet haben.
JETZT! möchte zeigen: Inklusion ist nicht nur ein Ziel. Inklusion ist auch eine Methode.
Wenn Menschen verschieden sind und trotzdem zusammen Kunst machen, entsteht etwas Neues – auf der Bühne und in der Gesellschaft.
Projektleitung: Constance Cauers