Langsam bewegt sich etwas, wenn es um Inklusion in Theaterbetrieben geht. Für Constance Cauers, Leiterin des Professionalisierungsprogramms „JETZT!“ von BURG und MUK, ist es auch höchste Eisenbahn. Wir waren mit ihr bei einer Probe für die Abschlusspräsentation, die unter dem Titel „Transit“ ab 23. April im Burgtheater-Kasino am Schwarzenbergplatz zu sehen sein wird.
Er möchte nicht so viel reden, sondern lieber proben, hält Niklas Kern mit entschlossener Stimme fest. Und eine Pause bräuchte er schon gar keine. Kurze Zeit später befinden sich die vier Spielenden wieder auf einem wippenden Bahnsteig, der Zug nach Buxtehude, wo die Nächte klirrend kalt sind und alles in Zeitlupe passiert, sollte gleich kommen. Die Szene gehört zur Abschlussinszenierung „Transit“, die der zweite
„JETZT!“-Jahrgang gerade mit Schauspiel- und Tanzstudierenden der MUK erarbeitet.
Der Bahnhof als Ort der Verbindung: Das trifft auf reale Bahnhöfe ebenso zu wie auf den Inhalt des Stücks, betont Constance Cauers, die „JETZT!“, das Professionalisierungsprogramm für Schauspieltalente mit Behinderung, leitet. „Von unserem fiktiven Bahnhof aus begleiten wir unsere sechs Protagonist*innen an unterschiedliche Stationen und folgen ihnen auf ihren Reisen. Es geht auch darum, was es bedeutet, gemeinsam auf dieser Welt zu existieren – sich zu begegnen, aber auch aneinander vorbeizuleben. […]
Mit dem noch nicht einmal ganz zwei Jahre alten Programm „JETZT!“ haben Constance Cauers und ihr Team jedoch schon viel erreicht. So wurde beispielsweise Felix Hiebl, Teilnehmer des ersten Jahrgangs, in
diesem Herbst an der MUK aufgenommen und studiert nun Schauspiel. […]
DIE ZUKUNFT IST JETZT
Wie schon im vergangenen Jahr wird es bei der Abschlussinszenierung wieder eine künstlerische Audiodeskription geben. Eine blinde Teilnehmerin aus dem letzten Jahrgang übernimmt die wichtige Position des „Outside Ear“. Außerdem wird der Text, der sich am Regelwerk der Leichten Sprache orientiert, auch in Österreichische Gebärdensprache übersetzt. „Ich finde es spannend, wie all diese neuen Impulse künstlerische Arbeitsprozesse verändern. Es geht nicht darum, sich nur anzuschauen, wie man die Talente in unser System integrieren kann, sondern viel interessanter ist, wie andere Rhythmen, Zeitimpulse und Denkstrukturen unsere Theaterprozesse verändern können, um auf diese Weise eine gemeinsame Ästhetik zu schaffen. Im Miteinander und mit dem Vertrauen, dass es am Ende funktionieren wird, weil wir ein Ensemble geworden sind“, bringt es die Theatermacherin auf den Punkt.
In „Transit“ wippt der Bahnhof – vieles bewegt sich, löst sich aus seiner Festgefahrenheit. Durch Programme wie „JETZT!“ überträgt sich dieses Gefühl hoffentlich auch schon bald auf Kulturinstitutionen. Lieber auf den nächsten Zug warten? Keine gute Idee, denn, wenn es nach Constance Cauers geht, muss die Zukunft des Theaters auf jeden Fall inklusiv sein. Und die Fahrt in diese Zukunft beginnt „JETZT!“.
Die Bühne, 04/2026, S. 74f (Link)
Von Sarah Wetzlmayer