Neue Leitung am MUK-Institut für Tanz: Charlotta Ruth als neue Leiterin, Doris Uhlich als Professorin bestellt

We, 23.09.2026, 10:00 Uhr
Charlotta Ruth © Verena Miedl-Faißt
Charlotta Ruth © Verena Miedl-Faißt

Das Institut für Tanz an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK), einem Unternehmen der Wien Holding, erhält mit Beginn des Studienjahrs 2026/27 eine neue Leitung: Die aus Schweden stammende Choreografin Charlotta Ruth tritt mit September die Nachfolge des langjährigen Institutsvorstands Nikolaus Selimov an. Des Weiteren wurde die profilierte österreichische Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich als Professorin für das Fach Künstlerisches Gestalten bestellt.

Charlotta Ruth: „Tanzausbildung berufsrelevant ergänzen“

Zum Auftakt der Leitung des Instituts für Tanz an der MUK lobt die schwedische Choreografin die Qualität der bestehenden Ausbildung und möchte diese in Zukunft ein wenig breiter aufstellen. „In den rund 20 Jahren der Leitung durch Nikolaus Selimov hat das Institut für Tanz an der MUK eine enorme qualitative Entwicklung mit Fokus auf der Bachelor-Ausbildung in den Bereichen Zeitgenössischer Tanz sowie Tanzpädagogik geschaffen“, so die neue Leiterin Charlotta Ruth: „Für mich ist es jetzt spannend, wie wir die künstlerische und technische Ausbildung der Studierenden so ergänzen können, damit sie auf eine ungewisse berufliche Zukunft gut vorbereitet sind. Dazu zählt die Erschließung von Handlungsräumen auch außerhalb von Bühne oder Tanzstudio, dazu zählt aber auch die aktive Teilnahme von Studierenden/des Instituts an Forschungsprojekten sowie deren Einbindung in transdisziplinäre Kontexte.“

Die an der Königlich Schwedischen Ballettschule sowie an der DOCH/Uniarts Stockholm ausgebildete Tänzerin und Choreografin Charlotta Ruth promovierte 2022 in künstlerischer Forschung an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Praxis steht das Interesse am kollaborativen und ergebnisoffenen Erarbeiten künstlerischer, sozialer und ökologischer Fragestellungen. In Wien hat sie als Choreografin zahlreiche Arbeiten realisiert, darunter im Tanzquartier, im brut Wien, im WUK sowie in der Brunnenpassage. Kulturpolitisch ist Charlotta Ruth in Wien etwa im Vorstand der IG freie Theaterarbeit engagiert und war an der Entwicklung von Strukturen für künstlerischen Peer to Peer-Austausch beteiligt. Sie wirkte an zahlreichen Forschungsprojekten (teils in leitender Position) mit und ist als Vortragende international gefragt. In der Saison 2026/27 sind ihre künstlerischen Arbeiten im WUK sowie im Theater am Werk zu sehen.

Als vielseitige Choreografin, die u. a. auch Games Design entwirft (etwa im Rahmen der City Games Vienna sowie Anfang Oktober 2026 zum 45. Geburtstag des WUK) ist Charlotta Ruth davon überzeugt, dass tänzerisches Wissen in vielen gesellschaftlichen Bereichen bereichernd wirken kann und sich entsprechend Berufsmöglichkeiten für ausgebildete Tänzer*innen und Tanzpädagog*innen bieten: „Tanz zu trainieren, heißt auch, zwischenmenschliche Qualitäten zu trainieren. Es bedeutet, Beziehungen zu anderen Menschen zu spüren, zu verstehen und auch nonverbal in Verbindung zu treten. Damit kann das genuin tänzerische Wissen essenziell dort eingebracht und angewandt werden, wo es um gemeinschaftliche oder um öffentliche Räume geht, um Gruppendynamiken und Gemeinschaftserfahrungen, wie etwa in sozialen, in sozialpädagogischen oder auch in kunst- und demokratiepolitisch vermittelnden Kontexten.“

Professur für Doris Uhlich

Unter den zahlreichen Neubestellungen von Lehrenden an der MUK ist auch die österreichische Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich zu nennen. Als namhafte Absolventin der MUK ist sie der Universität seither u. a. als Gastchoreografin verbunden geblieben. Mit dem Studienjahr 2026/27 tritt sie am Institut für Tanz eine Professur im Fach Künstlerisches Gestalten an. Die Künstlerin, die 2024 mit dem Österreichischen Kunstpreis ausgezeichnet worden war, brillierte 2025 bei ImPulsTanz Wien mit ihrer Produktion „Come Back Again“, die sie im Duett mit der damals 82-jährigen Grande Dame des österreichischen Balletts Susanne Kirnbauer-Bundy zeigte. Im Frühjahr 2026 verantwortete sie an den Münchener Kammerspielen die von der Kritik akklamierte Produktion „Glitsch“. Vom 5. November bis 5. Dezember 2026 wird sie im Tanzquartier Wien (TQW) mit dem Festival „Boom Tschak: 20 Jahre Doris Uhlich“ ein rundes Jubiläum als Choreografin feiern.

Auch Doris Uhlich sieht die beruflichen Chancen für künftige Absolvent*innen einer Ausbildung in den Disziplinen Tanz oder Tanzpädagogik bei weitem nicht auf die althergebrachten Bereiche beschränkt: „Viel realistisches Potenzial sehe ich im tanzpädagogischen Berufsfeld, in der Öffnung tänzerischer Begegnungsräume für diverse Körper und Generationen. Künstlerische Karriere und tanzpädagogische Tätigkeiten haben das Potenzial, ein inspirierendes Netzwerk zu bilden und ermöglichen mehr finanzielle Absicherung.“ Die neue MUK-Professorin ist davon überzeugt, dass Tanz als Kunstform, als Praxis, als Erfahrung und als Form der Kommunikation eine produktive gesellschaftliche Funktion haben kann: „Tanz hat das Potenzial, Menschen zu verbinden, Gemeinschaft zu stiften und kollektive Energie zu erfahren. Die Kunstform Tanz macht den Körper als Epizentrum für Aktion und Veränderung erfahrbar.“

Das Institut für Tanz an der MUK

Das Institut für Tanz an der MUK geht auf das im Jahr 1942 gegründetes Institut an einer der Vorgängerinstitutionen der MUK zurück, es wurde damals von der eminenten Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Rosalia Chladek geleitet. Derzeit weisen die Bachelorstudiengänge Zeitgenössischer Tanz sowie Tanzpädagogik insgesamt rund 95 Studierende auf.

Fotocredits

Honorarfreie Verwendung unter Angabe des Copyright: Charlotta Ruth © Verena Miedl-Faißt; Doris Uhlich © Katharina Šoškić.