Zum 10. Mal finden an der MUK bereits die „Gesundheitstage“ für Künstler*innen statt. Als Referent*innen werden hierfür speziell Künstler*innen eingeladen, die gesundheitliche (Zusatz-)Berufe eingeschlagen und studiert haben. Sie wissen um physische und psychische Belastungen im künstlerischen Alltag aus erster Hand Bescheid und geben Einblicke in die Materie. Nach kurzen Impulsvorträgen folgen Workshops, in denen speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen im Künstler*innenalltag eingegangen wird und Übungen zur Prävention vorgestellt werden.
Leitung: Jörg Zwicker
PROGRAMM:
10:00—11:30 Uhr: Gudrun Waldek, Physiotherapie
Einseitige Haltung, gleichförmige Bewegung, enormer Leistungsdruck und auch der Musikeralltag bedeuten enorme physische Belastungen für uns Musiker. Leider kommt aber im Gegensatz zum Spitzensport sowohl in der Ausbildung als auch im täglichen Training das Augenmerk auf allgemeine Fitness, um den Belastungen standhalten zu können, und ausreichend Ausgleich sowie Haltungs- und Bewegungsoptimierung viel zu kurz.
Als Physiotherapeutin sehe ich meine Aufgabe sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung von Problemen des Bewegungsapparates. Als kleinen Einblick möchte ich ein paar allgemeingültige Tips zur Haltung sowie „am Arbeitsplatz“ ausführbare Ausgleichsübungen vorstellen.
Gudrun Waldek war schon als Kind sowohl an Musik als auch an Medizin interessiert, was sie später in unterschiedlichen Ausbildungen professionalisierte: Sie studierte Barockoboe in Linz und Amsterdam und ist als Oboistin im In- und Ausland tätig. 2006 erhielt sie ihr Diplom zur Physiotherapeutin in Salzburg. Seit 2013 lebt sie in Wien und hat sich aufgrund ihrer musikalischen Vorbildung auf die Behandlung von MusikerInnen spezialisiert.
www.gudrunwaldek.at
11:45—13:15 Uhr: Joanna Kaniewska-Eröd, Brennen ohne auszubrennen
Musik ist Leidenschaft — doch wer dauerhaft auf höchstem Niveau brennt, läuft Gefahr, sich zu verausgaben. Durch praktische Körper- und Mentalübungen lernen die Teilnehmer*innen, wie sie zwischen Ton und Stille ihr persönliches Gleichgewicht im Musikeralltag finden können. Mit Elementen aus Achtsamkeit, Coaching und Körperarbeit erfahren die Musiker*innen, wie sie u. a. das Nervensystem langfristig beruhigen können, ihren Perfektionismus im Griff halten, die eigenen Rahmenbedingungen bestimmen, sich ohne schlechtes Gewissen Pausen gönnen, um „recharged“ in ihre Proben und Auftritte zu gehen und langfristig aufblühen zu können. Ein inspirierender Workshop für alle, die ihr inneres Feuer nähren wollen, ohne auszubrennen.
Joanna Kaniewska-Eröd schloss ihre Master- und Doktoratsstudien an den Musikunis Warschau und an der MUK mit Auszeichnung ab. Ihre Konzerttätigkeit führte sie auf fast alle Kontinente. Seit 2020 unterrichtet sie an der F. Chopin Musikuniversität in Warschau (Polen), als Gastdozentin u.a. in Wien an der mdw und MUK sowie in Graz an der KUG. Im Rahmen ihrer Unterrichtstätigkeit setzt sie sich mit dem Bereich von Körperarbeit und Mentaltraining aktiv auseinander. 2013 entwickelte sie ihr eigenes Auftrittstrainings-Programm für Künstler*innen Peak Performance Flow, eine Methode, die sie bei internationalen Musik-Meisterkursen sowie an verschiedenen Ausbildungsinstituten präsentiert. In ihrer Privatpraxis begleitet Joanna Musiker*innen und alle, die im Rampenlicht stehen und hilft ihnen ihre Bühnenkompetenz zu steigern und ihr volles Potential auszuschöpfen.
14:00—15:30 Uhr: Maria Eckert, Leistung mit der inneren Uhr — Chronobiologie im künstlerischen Alltag
Die Chronobiologie erforscht die zeitliche Organisa5on physiologischer Prozesse in Organismen. In den letzten Jahrzehnten haben diese Erkenntnisse zunehmend Eingang in die Medizin gefunden: Tageszeitliche Rhythmen von Hormonen, Gewebestoffen, Blutgerinnungsfaktoren, sowie die jahres- und tageszeitlichen Einflüsse auf unsere Leistungsfähigkeit werde immer besser erforscht. Dieses Wissen lässt sich auch für Musiker*innen nutzbar machen. Mein Workshop bietet eine Einführung in die Chronobiologie und soll über die Relevanz von Biorhythmen für den künstlerischen Alltag informieren. Darüber hinaus werden prak5sche Anregungen mitgegeben, wie man sich trotz Jetlag, langen Flugreisen und Umstellung von Biorhythmen gut disponieren kann.
Die Sopranistin Maria Eckert absolvierte neben ihrer Gesangsausbildung ein Medizinstudium und promovierte 2010 zur Doktorin der gesamten Heilkunde. Obwohl der Fokus immer auf ihrer künstlerischen Tätigkeit lag, war es ihr wichtig, stets in Kontakt mit der Medizin zu bleiben. 2022 begann sie ihre musikphysiologische Arbeit im Rahmen von Workshops an diversen Institutionen, wie den Wiener Musikschulen, dem Chorverband Vorarlberg, den Meisterklassen Gutenstein, etc. 2024 erhielt sie einen Lehrauftrag für Musikphysiologie an der Josef Haydn Privathochschule Eisenstadt. 2025 absolvierte sie den universitären Lehrgang Musikphysiologie im künstlerischen Alltag an der UdK Berlin, der Hans Eisler Musikhochschule Berlin sowie der HMTM Hannover. Außerdem ist sie als Lehrende für Anatomie, Physiologie sowie Spezielle Pathologie an der Fachhochschule für Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege sowie für Ergotherapie an der FH Wiener Neustadt tätig.
Teilnahme nur für Angehörige der MUK.