MUK.mittendrin: Begeisterndes Musikerleben für Mitglieder des BSVÖ

Fr, 28.03.2025
MUK.mittendrin: Immersives Klangerlebnis. Foto © W. Simlinger/MUK
MUK.mittendrin: Immersives Klangerlebnis. Foto © W. Simlinger/MUK

Am 21. März gestalteten Mitglieder des BSVÖ Blinden- und Sehbehindertenverbands Österreich gemeinsam mit dem MUK.sinfonieorchester und MAE-Studierenden ein besonderes kooperatives Experiment: Für die Dauer der Generalprobe von Igor Strawinskys „Petruschka“ unter dem Dirigat von Andreas Stoehr nahmen die Gäste auf der Bühne zwischen den jungen Musiker*innen Platz und genossen ein faszinierendes 360°-Klangerlebnis.

Musikvermittlung und Musikerleben für Menschen mit und ohne Behinderung: Auf Initiative des Dekans der Fakultät Musik und in Kooperation mit dem BSVÖ Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich verwandelte sich die Generalprobe des MUK.sinfonierorchesters für das abendliche Konzert-Event Tratto in ein ebenso inklusives wie immersives Klangerlebnis. Ein Dutzend Mitglieder des BSVÖ — darunter der langjährige Verbandspräsident Dr. Markus Wolf — nahmen auf der Bühne zwischen den jungen Musiker*innen des MUK.sinfonieorchesters Platz und durften das Probieren von Ausschnitten aus Strawinskis Ballettmusik Petruschka buchstäblich in Surround Sound-Qualität wahrnehmen.

Interaktive Musikvermittlung

Zuvor hatte es im MuTh-Foyer eine ungewöhnliche Einführung in Leben und Werk Igor Strawinskys durch MUK-Dozentin Edith Wregg gegeben. Gäste und MAE-Studierende nahmen an einer kurzweilig-exemplarischen Form interaktiver Musikvermittlung teil. Unterstützt durch die spielerische Integration von Elementen wie Duft-Atomsphären wurden die Zuhörenden aktiviert und für die Hintergründe der Musik interessiert. Die knapp 40-minütige Orchesterprobe beeindruckte einerseits durch Strawinskys „cinematischen“ Sound, andererseits durch die Präzision der jungen Musiker*innen. Und: durch den konzentriert agilen Dialog des Dirigenten Andreas Stoehr mit dem Klangkörper.

Neue Klangräume

Nach der Probe gab es noch auf der Bühne Gelegenheit, mit allen Beteiligten in Austausch zu treten und das Wahrgenommene zu reflektieren. Die Begeisterung war auf allen Seiten groß und übertraf, wie BSVÖ-Präsident Dr. Markus Wolf hervorhob, die „große Vorfreude bei Weitem“: So intensiv, so dicht und so leibhaftig real kann Orchestermusik selten wahrgenommen werden. Hier entsteht auch Verständnis dafür, dass und wie sich Menschen für Beruf und Berufung in der Musik entscheiden.

Hinzugekommen war auch KS Clemens Unterreiner, der als Botschafter des BSVÖ und als Pate des Projekts MUK.mittendrin fungiert und der als Intendant der Oper BURG GARS die Oper für blinde und sehbehinderte Menschen in Leben gerufen hat: Er zollte den jungen Musiker*innen viel kollegiales Lob und setzt auf eine Weiterführung des kooperativen Projektes.

„MUK.mittendrin baut Brücken“

MUK.mittendrin“, so Dekan Univ.-Prof Arno Steinwider, „öffnet neue Klangräume und lässt Igor Strawinskys Petruschka hautnah erleben”: „Strawinskys tragische Marionette steht für die Entfremdung der Kunstschaffenden vom Publikum — MUK.mittendrin hingegen baut Brücken zwischen Musiker*innen und Hörer*innen, zwischen Kunst und Inklusion.“ Auch für die Musikpädagogin und MUK-Dozentin Edith Wregg war die Veranstaltung ein „guter Start für mehr Inklusion“, beste Rückmeldungen habe sie von den anwesenden MAE-Studierenden erhalten. Dirigent Andreas Stoehr äußerte sich positiv über die „nicht nur für mich menschlich bereichernde Begegnung“ und hob das kollektive „intensive Erlebnis“ hervor.

Unterstützt wird das Projekt MUK.mittendrin ganz besonders von MUK-Rektor Dr. Andreas Mailath-Pokorny im Rahmen der gesamt-universitären Bemühungen um Inklusion und der dementsprechenden Erweiterung der Lehre: „Ich freue mich, dass die MUK sehbehinderten Menschen ein wunderbares Erlebnis ermöglichen konnte und wir umgekehrt wichtige Erkenntnisse für uns mitnehmen können!“

Über den BSVÖ

Als größte Selbsthilfeorganisation der Republik vertritt der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ) seit 1946 die Rechte und Interessen blinder und sehbehinderter Menschen. Laut Verband sind rund 3,4 Prozent der in Österreich lebenden Bevölkerung von Blindheit oder Sehbehinderungen betroffen. Dieser Prozentsatz wird sich aufgrund der zunehmender Alterung der Bevölkerung nicht verringern. Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens von einer Sehbehinderung betroffen werden.

Eine Kooperation der MUK mit dem BSVÖ Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich