MUK-Studierende erhalten erneut Förderstipendien der Stadt Wien

Mo, 04.05.2026
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Jedes Jahr vergibt die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) Stipendien für besondere Abschlussarbeiten: In diesem Jahr erhielten Mona Melody Amadea Harder, Bernadette König, Laetitia Toursarkissian, Sophie Urhausen von Neuhoff von der Ley und Dominika Witowicz die begehrten Auszeichnungen.

Die wissenschaftlichen Bachelor- und Masterarbeiten der fünf MUK-Absolventinnen wurden von der MA 7, Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft, mit je einem Stipendium im Wert von € 1.000,— ausgezeichnet.


Über die Preisträgerinnen und ihre Arbeiten

Mona Melody Amadea Harder

Der Life/Art Process von Anna Halprin im Spannungsverhältnis zwischen Postmodernem Tanz und Therapie
Institut für Tanz (Zeitgenössische Tanzpädagogik), Bachelorarbeit (Juni 2025)
Betreuung: Univ.-Prof.in Mag.a Virginie Roy

It is the healing process implicit in this journey that interests me as much as the cure, because healing is a whole process available to all of us, all the time. A cure is an event, neither predictable nor always available. The process of healing rests within dance, an ancient practice with wonderful possibilities for us today. (Halprin, 1995)

Mit dem von ihr entwickelten Life/Art Process entwarf die amerikanische Tänzerin und Choreografin Anna Halprin ein interdisziplinäres Modell, welches künstlerische Praxis mit therapeutischen Ansätzen verknüpft. Halprin betonte stets keine therapeutische Rolle einnehmen zu wollen. Dennoch griff sie in ihrem Life/Art Process gezielt auf Methoden und Übungen aus unterschiedlichen Therapieansätzen zurück und integrierte diese in ihr künstlerisches Schaffen. In Fortführung der disziplinübergreifenden Praxis des Postmodernen Tanzes bewegt sich der Life/Art Process somit im Spannungsfeld zwischen Kunst und therapeutischen Verfahren. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Analyse des Verhältnisses der beiden Disziplinen im Life/Art Process. Es wird untersucht, inwiefern sich künstlerische und therapeutische Prinzipien in Halprins Arbeit überschneiden, einander ergänzen oder potenziell widersprechen.

Mona Melody Amadea Harder ist ausgebildete Tanzpädagogin und Psychologin. Die gebürtige Österreicherin sammelte bereits im Kindes- und Jugendalter erste Bühnenerfahrungen in den Bereichen Tanz, Schauspiel und Gesang. Nach dem Bachelorabschluss in Psychologie an der Universität Wien setzte sie ihre Ausbildung mit einem Masterstudium sowie einem Bachelorstudium in Tanzpädagogik an der MUK fort. Hier erwarb sie fundierte Kenntnisse in der Tanztechnik nach Rosalia Chladek sowie in weiteren zeitgenössischen Tanztechniken. Im Rahmen eines Erasmus-Aufenthalts in Spanien beschäftigte sie sich zudem mit der Tanztechnik und dem Repertoire von Jose Limón, Merce Cunningham, Trisha Brown, Anne Teresa De Keersmaeker und Sidi Larbi Cherkaoui. Bereits während ihres Studiums widmete sie sich mit großem Engagement sowohl der wissenschaftlichen Forschung im Bereich Psychologie als auch der tanzpädagogischen Arbeit. Darüber hinaus führten sie Gastauftritte nach Prag und Innsbruck. Neben ihren tanzpädagogischen sowie künstlerischen Tätigkeiten absolviert Mona Harder derzeit eine postgraduale Ausbildung zur klinischen Psychologin.


Bernadette König

Die Stimme der Nomaden: Eine Untersuchung über die Entwicklung des Morin Khuurs — der mongolischen Pferdekopfgeige.
Institut für Saiteninstrumente (Violoncello), Bachelorarbeit (Januar 2025)
Betreuung: Univ.-Prof.in Mag.a Lilia Schulz-Bayrova

Die wissenschaftliche Arbeit untersucht das mongolische Instrument Morin Khuur (Pferdekopfgeige) in seinen technischen, kulturellen und musikalischen Dimensionen. Ausgangspunkt ist ein Zitat des Dichters Tsedendorj Mishig (1964), welches die Ausdruckskraft des Instruments hervorhebt: „Nur seine zwei Saiten vermögen alle Ereignisse der Welt zum Ausdruck zu bringen.“ (Tsedendorj 1964, Str. 2, V. 1—2)
Ziel der Arbeit ist es, ein fundiertes Verständnis für dieses in Europa wenig bekannten Instruments zu vermitteln. Zunächst werden die grundlegenden Eigenschaften des Morin Khuurs vorgestellt, wobei besonderes Augenmerk auf Bauweise und Klang gelegt wird. Die Arbeit analysiert detailliert die verwendeten Materialien, die Konstruktion sowie die Anordnung und Stimmung der Saiten. Dabei wird herausgearbeitet, wie diese Faktoren zusammenwirken und den charakteristischen Klang des Instruments prägen.
Weiters widmet sie sich der Spieltechnik. Hier werden insbesondere die Bogenführung sowie spezifische Fingertechniken erläutert, die für die Erzeugung des typischen Klangspektrums notwendig sind. Es wird deutlich, dass das Spielen des Morin Khuurs hohe technische Fertigkeiten erfordert.
Darüber hinaus wird das Instrument historisch und kulturell eingeordnet. Die Arbeit untersucht seine Entstehung im Kontext der mongolischen Gesellschaft und beleuchtet seine Rolle in sozialen, religiösen und kulturellen Zusammenhängen. Auf Basis historischer Quellen wird die Entwicklung des Morin Khuurs nachvollzogen und seine Bedeutung für die kulturelle Identität der Mongolei dargestellt. Dabei wird besonders betont, dass das Morin Khuur eine zentrale symbolische Rolle in der mongolischen Spiritualität einnimmt. Abschließend erfolgt ein Vergleich zwischen dem Morin Khuur und europäischen Streichinstrumenten. 

Bernadette König (geb. 2003) entstammt einer Musikerfamilie und entdeckte im Alter von sieben Jahren das Violoncello für sich. Bereits früh trat sie regelmäßig an renommierten Wiener Spielstätten wie der Orangerie von Schloss Schönbrunn und dem Wiener Rathaus auf. 
Mit elf Jahren wurde sie in Vorbereitungslehrgang der MUK aufgenommen, wo sie in der Klasse von Lilia Schulz-Bayrova studierte. Ihr Bachelorstudium absolvierte sie an der MUK und wurde für ihre herausragenden künstlerischen und akademischen Leistungen mit einem Leistungsstipendium gewürdigt. Ein Erasmus-Auslandssemester führte sie an die Folkwang Universität der Künste (Deutschland) zu Christoph Richter. Seit 2025 setzt Bernadette König ihre musikalische Ausbildung im Masterstudium an der MUK bei Lilia Schulz-Bayrova fort.
Ihre große Leidenschaft für die Kammermusik vertieft sie seit 2015 kontinuierlich und arbeitet dabei mit namhaften Künstlern wie Evgeny Sinayskiy, Christoph Eggner und Matt Hunt zusammen. Ergänzend dazu sammelte sie weitreichende Orchestererfahrung und konzertierte in bedeutenden Sälen wie dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, im RadioKulturhaus, im Theater an der Wien sowie im Rahmen der OPEC-Kongressgala in der Wiener Hofburg.
Als mehrfache Erste Preisträgerin des Bundeswettbewerbs Prima la musica wurde sie 2015 und 2018 sowohl in der Solo- als auch in der Kammermusikkategorie ausgezeichnet. Wertvolle künstlerische Impulse erhielt sie zudem in Meisterkursen bei herausragenden Persönlichkeiten wie Steven Isserlis, Harriet Krijgh, Jeremias Fliedl und Eldar Saparajev.


Laetitia Toursarkissian 

Die Ersetzung der Macht des Einzelnen durch die Macht der Gemeinschaft. Positive Auswirkungen demokratischer Strukturen im deutschen Theatersystem auf die Kreativität als Grundlage schauspielerischer Arbeit.
Institut für Schauspiel, Bachelorarbeit (August 2025)
Betreuung: Univ.-Prof.in Dr.in Karoline Exner

Das strukturelle Gefüge des deutschen Stadt- und Staatstheatersystems hat sich seit der Goethe-Zeit kaum verändert — obwohl sich ästhetische Formen und Bühnensprachen kontinuierlich weiterentwickelt haben. Das Stadt- und Staatstheater ist in der Gegenwart nicht nur ein Ort der Kunst, sondern zugleich ein ökonomisch organisierter Betrieb mit festen Strukturen und ausgeprägten Machtverhältnissen. Kreative Prozesse sind in der Praxis oft eng an institutionelle Abläufe und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gebunden. Vor diesem Hintergrund geht diese Bachelorarbeit zuerst der historischen Frage nach, wie sich Organisation und Zusammenarbeit im Theater ursprünglich gestalteten, auf welche Weise sich erstmals kommerzielle Strukturen herausbildeten und welche Auswirkungen diese auf die Kreativität der Schauspielenden hatten. Anhand eines Vergleichs zwischen dem Mitbestimmungsmodell, das im Zuge der 68er-Bewegung am Schauspiel Frankfurt und an der Schaubühne Berlin entstand, und den heutigen Organisationsformen am Stadt- und Staatstheater wird untersucht, welche betrieblichen und kollaborativen Faktoren die Kreativität von Schauspielenden einschränken oder fördern. Angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen hat das Thema der Bedeutung und Zukunft von demokratischen Strukturen an Dringlichkeit gewonnen. Wie Macht verteilt ist und Entscheidungen getroffen werden, wird im Theaterbetrieb besonders sichtbar: Theaterproduktionen beruhen immer auf der Zusammenarbeit vieler Beteiligter, deren Kreativität und Engagement maßgeblich für das Ergebnis sind. Diese Bachelorarbeit versteht sich daher als Beitrag zur grundsätzlichen Diskussion der Frage, wie Gemeinschaften, sei es im Theater oder in der Gesellschaft, miteinander leben und arbeiten können. Insgesamt zeigt die Arbeit, dass es dabei nicht allein um demokratische Strukturen geht, sondern um den utopischen Gedanken, der ihnen zugrunde liegt: Theater lebt vom gemeinsamen, reflektierten Erforschen der eigenen Praxis. Ohne diese kontinuierliche Auseinandersetzung drohen Kreativität, Wirkung und gesellschaftliche Relevanz zu verkümmern.

Laetitia Toursarkissian, geboren 1999 in Berlin und aufgewachsen in Berlin, Brüssel und einem kleinen Dorf am Bodensee, sammelte ihre ersten Theatererfahrungen in verschiedensten Jugendclubs in Berlin, darunter das Junge DT und P14 der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Neben dem Abitur schloss sie eine Ausbildung zur Holzbildhauerin ab. Von 2021 bis 2025 studierte sie Schauspiel an der MUK. Bereits während ihres Studiums war sie in verschiedenen Produktionen in Wien zu sehen. Darunter in ZU KÜSTEN oder: Wir standen uns die Beine in den Arsch im Theater in der Drachengasse, in Abgefuckt im Vestibül des Burgtheaters, in Im Glashäusl im Schauspielhaus Wien, in Biedermann und die Brandstifter im Theater in der Josefstadt, sowie in Der Prozess Pelicot bei den Wiener Festwochen unter der Regie von Milo Rau. In der Spielzeit 2025/26 ist sie am Tiroler Landestheater engagiert.


Sophie Urhausen von Neuhoff von der Ley

Bach in der Literatur. Barocke Klangwelten bei Hermann Hesse, Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek
Institut für Alte Musik (Historische Violine), Masterarbeit (September 2025)
Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Edwin Vanecek

Im Mittelpunkt dieser Untersuchungen stehen Hermann Hesses Das Glasperlenspiel, Thomas Bernhards Der Untergeher und Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin. An ihrem Beispiel wird analysiert, wie barocke Kompositionsprinzipien in der Literatur verarbeitet werden können, sei es auf thematischer, formaler oder struktureller Ebene.
Johann Sebastian Bach erscheint in der Rezeption durch seine Nachwelt oftmals als unerreichbares Genie, dessen Musik als Inbegriff von Perfektion, Vollkommenheit und Ordnung gilt. Im Hintergrund schwingt in der vorliegenden Arbeit daher stets die Frage mit, auf welche unterschiedliche Weise das Thema des Geniekults und des Virtuosentums behandelt wird.
Dabei zeigen sich verschiedene literarische Strategien im Umgang mit musikalischen Strukturen und dem Bach’schen Geniebegriff: von Idealisierung und Verehrung bis hin zu Kritik und Ablehnung. Bei Elfriede Jelinek findet diese Auseinandersetzung ihren Höhepunkt: Bachs kontemplative, lebensbejahende Musik prallt hier auf Gewalt, Ekel und Körperlichkeit.

Die Bratschistin Sophie Urhausen von Neuhoff von der Ley wurde 1992 in Luxemburg geboren und lebt seit vielen Jahren in Wien. An der MUK absolvierte sie ein Bachelor- und Masterstudium Viola sowie ein Masterstudium für Historische Violine am Institut für Alte Musik. Musikalisch bewegt sie sich zwischen historisch informierter und moderner Aufführungspraxis, sowohl im orchestralen als auch im kammermusikalischen und solistischen Kontext.
In ihrem künstlerischen sowie wissenschaftlichen Arbeiten interessiert sie sich besonders für die Verbindungen zwischen Musik und Literatur.


Dominika Witowicz

The relationship between Joseph Joachim and Johannes Brahms. A study of artistic collaboration.
Institut für Saiteninstrumente (Violine), Masterarbeit (Januar 2025)
Betreuung: Univ.-Prof. Dr.in Susana Zapke

Die Masterarbeit untersucht die bemerkenswerte Partnerschaft zwischen Johannes Brahms und Joseph Joachim und konzentriert sich dabei auf deren Einfluss auf Brahms’ Violinkonzert D-Dur op. 77. Die Arbeit beleuchtet Joachims vielfältige Rollen als Geiger, Komponist, Dirigent und Lehrer und untersucht, wie sein künstlerisches Profil und seine persönliche Verbindung zu Brahms die Entstehung des Konzerts beeinflussten.
Die Studie präsentiert Joachims Biografie und seine Leistungen, analysiert die Auswirkungen der Freundschaft auf die Karrieren beider Musiker und untersucht die Entstehung des Konzerts, einschließlich seiner Komposition, der Herausforderungen bei der Aufführung und der historischen Rezeption. Anhand von Primärquellen wie Briefen und Partiturüberarbeitungen zeigt die Untersuchung Joachims entscheidende Rolle bei der Gestaltung der endgültigen Form des Konzerts, insbesondere des dritten Satzes und der Kadenz.
Diese Arbeit betont die Bedeutung persönlicher Zusammenarbeit im künstlerischen Schaffen und zielt darauf ab, Joachims bleibenden Beitrag zu Brahms’ Werk sowie zur weiteren Welt der Violininterpretation, der Kammermusik und der Pädagogik anzuerkennen.

Dominika Witowicz absolvierte ihr Studium bei Wiesław Kwaśny an der Musikakademie Krakau und setzte ihre Ausbildung bei Dominika Falger an der MUK fort. Sie nahm an Meisterkursen mit dem Kronos Quartet, Evgenia Epstein, dem Scharoun Ensemble der Berliner Philharmoniker sowie beim Music Festival & Master Class Piła mit Bartłomiej Nizioł und Andrej Bielow teil.
Als Preisträgerin zahlreicher Solo- und Kammermusikwettbewerbe erhielt sie Auszeichnungen beim Art-Duo Festival in Prag, beim Fidelio-Wettbewerb in Wien, bei Kammermusikwettbewerben in Kopenhagen, Sogliano al Rubicone und Berlin sowie den Sonderpreis für die beste Violinistin beim Malta International Music Competition.
Sie trat als Solistin mit Orchestern wie dem Philharmonischen Orchester Rzeszów, dem Concertgebouw Orchestra, dem NFM Wrocław Philharmonic, dem Krakauer Philharmonischen Orchester, dem Wiener Concert-Verein, den Vienna Classical Players und dem Landesorchester Burgenland auf und nahm an renommierten Festivals wie dem Esker Music Festival, dem Bregenzer Festspielorchester und dem Styriarte Festivalorchester teil. Außerdem hatte sie Zeitvertrag bei den Wiener Symphonikern.
Ihre Karriere vereint Solisten-, Kammermusik- und Orchestertätigkeit und wurde durch Zusammenarbeit mit renommierten Musikern wie Tomasz Tomaszewski, Daniel Stabrawa, Andrej Power, Ernst Kovacic und Reinhard Latzko bereichert.


Wir gratulieren herzlich und bedanken uns bei der Kulturabteilung der Stadt Wien!

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Kulturabteilung der Stadt Wien